Wie wichtig wird Chinesisch in der Zukunft sein?

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21.09.2016 von Walter Brandl Chinesisch

Der Steinke Sprachindex hat vor ein paar Jahren eine Liste der 10 Sprachen herausgebracht, die im Jahr 2025 von besonders großer Bedeutung für die Weltwirtschaft sein werden. Wenig überraschend: Englisch ist und bleibt die Nummer 1 – auch wenn Medien in der Vergangenheit prophezeit haben, dass Französisch die neue Weltsprache werden könnte. Etwas überraschender ist die Sprache, die auf Platz 2 gelandet ist: Chinesisch. Ist es also an der Zeit, sich gezielt nach Angestellten umzuschauen, die diese überaus komplizierte Sprache beherrschen?

Chinesisch oder Mandarin – Was ist der Unterschied?

An dieser Stelle wird vielleicht der eine oder andere Leser entnervt mit den Augen rollen und sich denken: „Das heißt Mandarin und nicht Chinesisch, das weiß doch mittlerweile jeder!“ Es ist so: Ob Sie die Sprache der Chinesen als Chinesisch oder Mandarin bezeichnen, ist gehüpft wie gesprungen. Beide Begriffe beschreiben das gleiche, nämlich das Hochchinesisch, das von 845 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen wird. Diese leben vorrangig in diesen Ländern:

  • Volksrepublik China
  • Taiwan
  • Singapur
  • Indonesien
  • Malaysia
  • Thailand

Sprachinfo Chinesisch.
Erfahren Sie mehr über die chinesische Sprache im Linguistisch-ethnographischen Lexikon von Langwhich.com

Warum Chinesisch nicht an Englisch vorbeizieht

Chinesisch oder Mandarin hat weltweit die meisten Muttersprachler – noch mehr als Englisch. Warum handelt es sich hierbei also nicht um die neue Weltsprache? Diese Frage kann relativ schnell beantwortet werden: Die globale Bedeutung des Chinesisch ist zu gering. Natürlich gibt es extrem viele Menschen, die die Sprache sprechen, doch ballen sich diese auch in einem stark eingegrenzten Gebiet. Um als Weltsprache zu gelten, muss die Bedeutung der Sprache jedoch weit über das ursprüngliche Sprachgebiet hinausreichen. Die Auslandschinesen, die die Sprache auch in anderen Ländern auf der ganzen Welt sprechen, fallen hierbei nicht ins Gewicht.

Ganz anders verhält es sich beim Englischen. Die Sprache mit rund 330 Millionen Muttersprachlern genießt weltweite Bedeutung. Die Gründe hierfür sind zum einen die Besiedelung des nordamerikanischen Kontinents durch englischsprachige Menschen und zum einen die weltweite Kolonialpolitik Groß Britanniens, die auch heute noch Auswirkungen auf viele Länder hat.

Müssen jetzt alle Chinesisch lernen?

Die Zahl derer, die Chinesisch als Fremdsprache lernen, nimmt jährlich zu – eine Entwicklung, die von der chinesischen Regierung begrüßt und unterstützt wird. Die Motivation der meisten Sprachschüler ist es, die Eintrittskarte in die chinesische Wirtschaft durch linguale Fähigkeiten zu erhalten. Klingt logisch – doch ist es auch wirklich sinnvoll?

Leider nein, denn wie so oft im Leben gibt es auch im Fall der Wirtschaftsmacht China einen Haken: Die Jahre des Boomens und des Wachstums sind vorbei. Zu diesem Ergebnis kam der Internationale Währungsfonds erst vor wenigen Wochen. Nach Einschätzung des IFW wird das wirtschaftliche Wachstum Chinas bis 2020 die 6 Prozent-Grenze unterscheiden. Schon jetzt ist ein stetiger Rückgang der Zahlen zu verzeichnen. Warum das so ist, kann an dieser Stelle nicht bis ins kleinste Detail analysiert werden. Experten gehen jedoch davon aus, dass es vorrangig an den Bemühungen Chinas liegt, sich nicht mehr nur auf den Export von Produkten zu fokussieren. Stattdessen will man sich darauf konzentrieren, den Konsum im Inland zu stärken. Dieses Vorhaben geht bisher nur schleppend voran. Außerdem hat die Regierung gemerkt, dass das Land zu stark von der Wirtschaft abhängig ist. Ihre Reaktion ist eine verstärkte Förderung der Dienstleistungssektoren, die wiederum eine Schwächung des Bruttoinlandsproduktes mit sich bringt. Ein dritter Grund für die Stagnation der chinesischen Wirtschaft ist die beginnende Übergreisung des Landes, die als direkte Folge der Einkind-Politik verstanden werden kann. China wird schlicht und ergreifend immer älter.

Also lohnt sich Mandarin lernen nicht mehr?

Auch das kann so nicht gesagt beziehungsweise geschrieben wird. Wie eingangs bereits erwähnt, stuft der Steinke Sprachindex Chinesisch im Jahr 2025 als zweitwichtigste Sprache der Welt ein. Es ist also nach wie vor empfehlenswert, die Sprache zu erlernen – wenn Sie auch wirklich beabsichtigen, in China oder anderen asiatischen Ländern beruflich tätig zu sein. Wer eher in anderen Teilen der Welt unterwegs ist, muss kaum damit rechnen, die Bekanntschaft eines chinesisch sprechenden Geschäftspartners zu machen.

Tipp:

Das Erlernen der chinesischen Sprache ist nur dann sinnvoll, wenn man im asiatischen Raum tätig ist. Chinesisch ist keine Weltsprache, die auch in anderen Gebieten – beispielsweise Europa, Australien oder Amerika – von Bedeutung ist.

Tipps fürs Chinesisch lernen

Keine Frage: Wer Chinesisch beziehungsweise Mandarin lernen will, hat sich einiges vorgenommen. Die Sprache gilt als eine der komplexesten der Welt – nicht zuletzt auch wegen der Zeichen, die für uns Europäer eher nach Kunst als nach Schrift aussehen. Sie wollen die Herausforderung dennoch annehmen? Dann helfen Ihnen vielleicht die folgenden Tipps:

  1. 1.  Grundlegende Grammatikregeln lernen
    Die chinesische Grammatik unterscheidet sich extrem von europäischen Sprachen. Es ist von Vorteil, sich zu Beginn auf wenige rudimentäre Regeln zu konzentrieren und tiefergehende Lektionen während des aktiven Sprechens zu erlernen.
  2. 2.  Chinesische Schriftzeichen verstehen
    Wer Chinesisch nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich verstehen will, muss die komplizierten Schriftzeichen lernen. Das geht am einfachsten, wenn Sie den Aufbau dieser entschlüsselt und verinnerlicht haben. Am wichtigsten ist es, die unterschiedlichen Radikale zu identifizieren. Erst dann können Sie beispielsweise ein Schriftzeichen im Wörterbuch nachschlagen und seinen Sinn zusammensetzen.
  3. 3.  Moderne Technik
    Selbstverständlich können Sie Chinesisch mithilfe diverser Apps und Übersetzungsprogramme erlernen. Doch wo bleibt da der Praxisbezug? Wagen Sie stattdessen einmal das Abenteuer und stellen Sie eine Internetseite oder ein Programm, das Sie häufig benutzen, auf Chinesisch um.
  4. 4.  Filme, Radio und Co.
    Eine Sprache brennt sich dann am besten ein, wenn Sie sie hören. Wer nicht regelmäßig Kontakt zu Chinesen hat, kann beispielsweise chinesisches Internetradio hören oder auch Filme auf Chinesisch anschauen. Chinesische Literatur und Bedienungsanleitungen auf Chinesisch eignen sich, um sich die Schriftzeichen noch besser einzuprägen.



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