Warum es nie zu spät ist, eine Fremdsprache zu lernen

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28.06.2018 von Walter Brandl Lerntipps & Lerntricks

Kinder lernen Fremdsprachen viel schneller und leichter als Erwachsene – so zumindest lautet die allgemeine Annahme. Dass dem gar nicht so ist, haben wir bereits in diesem Beitrag eingehend beleuchtet. Nun wollen wir daran anschließen und Ihnen verraten, warum es grundsätzlich nie zu spät ist, eine Fremdsprache zu erlernen.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – Wirklich?!

Dieses Sprichwort hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört. Es sagt so viel aus wie: „Sei nicht dumm! Was du bis hier her nicht gelernt hast, wirst du jetzt auch nicht mehr auf die Reihe kriegen.“

Ziemlich ernüchternd – und schlichtweg falsch. Denn tatsächlich ist „Hans“ durchaus in der Lage, auch im Erwachsenenalter Dinge zu erlernen, die er als Kind noch nicht konnte. Bestes Beispiel hierfür ist eine Fremdsprache.

Ein starker Wille und sofortige Anwendung als Antrieb

Während Kinder häufig mehr oder weniger zu ihrem Glück gezwungen und von den Eltern zum Sprachunterricht geschickt werden, lernen die meisten Erwachsenen aus freien Stücken. Oder anders formuliert: Die Mehrheit der erwachsenen Menschen geht mit einem starken Willen ans Werk und schafft sich somit automatisch einen wirkungsvollen Antrieb.

Weiterhin kann gesagt werden, dass die meisten, die im Erwachsenenalter eine Fremdsprache erlernen, ein konkretes Ziel verfolgen. Egal ob eine anstehende Reise ins Ausland oder der langersehnte nächste Karriereschritt – Wer sich hinsetzt um Vokabeln und Grammatikregeln zubüffeln, der tut dies aus einer bestimmten Motivation heraus.

Anders bei den Kindern: Hier steht (und das ist auch wichtig und richtig) der Spaß im Vordergrund. Einen bestimmten Verwendungszweck für die neuen Fremdsprachenkenntnisse gibt es im Kindesalter in den wenigsten Fällen.

Wichtig: Es muss nicht perfekt sein

Es ist zwar ein Irrglaube, dass Kinder grundsätzlich leichter Fremdsprachen erlernen als Erwachsene. Doch muss an dieser Stelle dennoch erwähnt werden, dass sich die Kleinen in mancherlei Hinsicht doch über einen gewissen Vorteil freuen können. Das wohl beste Beispiel hierfür ist die spezielle Aussprache von Buchstaben und Silben in einer Fremdsprache.

Während sich so mancher Erwachsene beim Versuch, das englische „th“ auszusprechen, beinahe die Zunge verknotet, haben Kinder den Dreh oftmals sehr viel schneller heraus. Das kann aus Sicht des Erwachsenen natürlich durchaus frustrierend sein – muss es aber nicht. Indem Sie sich von Anfang an vom Perfektionismus verabschieden und stattdessen ausschließlich Ihr Ziel vor Augen haben, werden Sie über diverse Probleme bei der Aussprache oder auch Vokabel-Unsicherheiten hinwegsehen können. Das Geheimnis besteht darin, die eigenen Ansprüche ein bisschen herunterzuschrauben und mehr an die Realität anzupassen.

Machen Sie sich immer wieder bewusst: Die wenigsten Erwachsenen schaffen es, eine Fremdsprache so gut zu lernen und verinnerlichen, dass sie sie perfekt beherrschen.

Umfassendes Angebot für erwachsene Sprachschüler

Ein anderer Umstand, der unterstreicht, dass es nie zu spät ist, einen Fremdsprache zu erlernen, ist das schier unendlich große Unterrichtsangebot. Schaut man sich im Bereich Fremdsprachenunterricht um, so stellt man ziemlich schnell fest, dass es für jeden Schüler das richtige Training gibt.

Egal ob einzeln oder in der Gruppe, per Telefon oder direkt im Unternehmen, in Form von einem Shadowing oder mithilfe von einem Sprach-Tandem – es gibt so viele verschiedene Formen des Fremdsprachenunterrichts.

Für diejenigen, die sich auch im fortgeschrittenen Alter noch an eine Fremdsprache herantrauen, bedeutet das natürlich, dass Sie die Qual der Wahl haben. Es lohnt sich jedoch, genau hinzuschauen und die unterschiedlichen Angebote miteinander zu vergleichen. Denn gerade weil jeder Sprachschüler anders ist, muss auch der Unterricht möglichst individuell angepasst werden.

Spezielle Unterrichtsformen für Ältere

Ein Paradebeispiel für diese individuellen Anpassungen sind Sprachtrainings, die sich gezielt an Menschen über 50 (oder noch älter) richten. Solche speziellen Unterrichtsformen zeichnen sich oftmals durch ein angepasstes Tempo und häufige Wiederholungen aus. Außerdem werden die Lernmaterialien oftmals an die Bedürfnisse der Schüler angepasst.

Eines sollte Ihnen jedoch zu jedem Zeitpunkt bewusst sein: Auch der beste Ü50-Sprachkurs ist nutzlos, wenn der Sprachschüler nicht mit der notwendigen Motivation ans Werk geht. Gleiches gilt im Übrigen auch für einen 20-jährigen, der im Zuge des Studiums beschließt, beispielsweise Spanisch zu lernen.

Muttersprache als Basis

Während Kinder ihr neues (Sprach-)Wissen wie Schwämme aufsaugen und ganz intuitiv anwenden, nähern sich Erwachsene dem Thema weitaus analytischer. Gerade dann, wenn ein grundlegendes Verständnis für die eigene Muttersprache vorhanden ist, kann dieses als Basis für die Fremdsprache genutzt werden.

Vor allem, wenn es darum geht, grammatikalische Strukturen zu verinnerlichen, Parallelen und Unterschiede zu erkennen, sind erwachsene Sprachschüler klar im Vorteil. Hinzu kommt außerdem die allgemeine Erfahrung im Hinblick auf Lernprozesse. Auch wenn die letzte Prüfung schon eine Weile zurückliegt, wissen die meisten Erwachsenen noch genau, worauf es beim Lernen ankommt.

Vorausschauend denken für einen langfristigen Lernerfolg

Eine Fremdsprache im Erwachsenenalter lernen ist die eine Sache. Die Fähigkeiten zu verinnerlichen und auch nach längerer Zeit noch anwenden zu können eine ganz andere. Damit Sie möglichst langfristig vom Fremdsprachenunterricht profitieren, ist es sinnvoll, vorausschauend zu denken. In diesem Beitrag aus unserem Sprachenmagazin stellen wir Ihnen sieben Methoden vor, die Ihnen dabei helfen, Ihre Fremdsprachenkenntnisse nicht einrosten zu lassen.

7 Gründe, die für das Erlernen einer Fremdsprache im Erwachsenenalter sprechen

Abschließend möchten wir Ihnen anhand von sieben Aspekten noch einmal klar vor Augen führen, warum es auch im (fortgeschrittenen) Erwachsenenalter noch sinnvoll ist, eine Fremdsprache zu erlernen. Die nachfolgenden Gründe werden Ihnen verdeutlichen, dass es tatsächlich nie zu spät ist, sich mit Grammatikregeln und Vokabellisten auseinanderzusetzen.

  • verbesserte Karrierechancen: Es dürfte kein Geheimnis mehr sein, dass Fremdsprachenkenntnisse ein wichtiger Schlüssel zum beruflichen Erfolg sind. In nahezu jeder Branche werden Ihnen Englisch, Französisch und Co. neue Türen öffnen.

  • keine Chance der Midlife Crisis: Sicherlich haben Sie schon mal etwas über dieses Phänomen gehört, das viele Menschen um ihr 40. Lebensjahr beschäftigt. Um der Midlife Crisis etwas entgegenzusetzen, kann es durchaus helfen, eine Fremdsprache zu erlernen (und dem Leben dadurch einen neuen/zusätzlichen Sinn zu verleihen).

  • geistige Fitness: Es ist absolut normal, dass die Leistung des menschlichen Gehirns im Alter nachlässt – außer man tut aktiv etwas dagegen. Was vor einigen Jahren gern etwas flapsig als „Gehirnjogging“ bezeichnet wurde, hat natürlich viele Gesichter. Doch können Sie sich sicher sein, dass eine neu erlernte Fremdsprache den Denkapparat ordentlich auf Trab halten wird.

  • neue Kontakte: Wer eine Fremdsprache nicht gerade für sich im stillen Kämmerlein lernt, wird durch den Unterricht garantiert auf neue Leute treffen. Auch dieser Umstand kann durchaus als positiver Nebeneffekt verstanden werden.

  • selbstständiger reisen: Viele ältere Menschen trauen sich nicht, ins Ausland zu reisen, da sie kein Englisch und erst recht nicht die Landessprache sprechen. Wer dieses Problem in die Hand nimmt, wird sich schnell an die neue Unabhängigkeit gewöhnen.


Wer ein Ziel vor Augen hat und mit Motivation ans Werk geht, kann auch im fortgeschrittenen Alter noch eine Fremdsprache lernen. Es ist nie zu spät, damit anzufangen.

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