„Nice to meet you“: Netzwerken in einer Fremdsprache

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02.01.2017 von Walter Brandl Interkulturelle Kompetenz, Smalltalk

Das Knüpfen von Kontakten spielt nicht nur im Privatleben eine wesentliche Rolle, sondern auch im Beruflichen. Das sogenannte „Vitamin B“ – das B steht für Beziehungen – hilft bei der Jobsuche, vermittelt interessante Geschäftspartner und sorgt dafür, dass man auf Business-Veranstaltungen nicht allein rumsteht, sondern immer jemanden zum Unterhalten hat. Doch genau an dieser Stelle setzt die wohl größte Schwierigkeit ein. Obwohl Konversation etwas vollkommen Natürliches für uns Menschen ist, haben viele im beruflichen Kontext ein Problem damit – erst recht, wenn der Smalltalk auf Englisch oder in einer anderen Fremdsprache stattfindet. Zum Glück kann internationales Networking aber erlernt werden.

Wichtig beim Netzwerken: Qualität geht über Quantität

Natürlich gibt die Anzahl der beruflichen Kontakte keinerlei Aufschluss darüber, wie erfolgreich oder beliebt eine Person ist. Beim Networking (egal ob in der Mutter- oder einer Fremdsprache) sollte generell der Leitsatz „Qualität geht über Quantität“ gelten. Soll heißen: Lieber weniger, dafür aber qualitativ hochwertige Kontakte knüpfen und pflegen statt den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Denn eines ist Fakt: Ein Netzwerk pflegt sich nicht von allein, sondern nimmt mitunter viel Zeit in Anspruch. Es ist sinnvoll, genau abzuwägen, für wen sich dieser Zeitaufwand lohnt und auf welche Kontakte man auch verzichten kann.

Warum Netzwerken so wichtig ist

Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen, sich mehr auf das berufliche Netzwerk zu fokussieren. Ein paar davon sollen nachfolgend aufgelistet werden:

  • Neue Kontakte bringen neue Kunden
  • Man profitiert vom Wissen (und vom Netzwerk) der anderen
  • Es gibt der teilweise rauen Arbeitswelt einen sozialen (oft auch spaßigen) Anstrich
  • Durch den Austausch bildet man sich permanent weiter
  • Networking stärkt das Selbstbewusstsein und hilft bei der persönlichen Weiterentwicklung

Stolpersteine beim internationalen Networking

Wenn Personen verschiedener Nationen aufeinandertreffen, ist es normal, sich in einer Fremdsprache zu unterhalten. Meist handelt es sich dabei um die Weltsprache Englisch. Wie Sie sich sicherlich schon denken können, bringt internationales Networking einige Schwierigkeiten mit sich. Diese zu kennen, ist der erste Schritt, um den Stolpersteinen galant auszuweichen und beim Knüpfen von Kontakten eine gute Figur zu machen.

Allen voran wäre da natürlich die sprachliche Barriere, die überwunden werden muss. Beim Netzwerken in einer Fremdsprache kommt es auf zwei wesentliche Punkte an:

  • Sie müssen Formulierungen für allgemeine Konversation (Smalltalk) beherrschen
  • Sie müssen Formulierungen für spezielle Themengebiete (beispielsweise die Branche, in der Sie tätig sind) beherrschen

Businessenglisch ist eine sehr gute Basis für internationales Networking. Wenn Sie mit Experten aus Ihrem Fachbereich ins Gespräch kommen und entsprechende Kontakte knüpfen wollen, ist es jedoch auch unverzichtbar, das entsprechende Fach-Vokabular parat zu haben und beispielsweise auch technisches Englisch zu beherrschen.

Doch nicht nur die Sprache an sich kann beim Netzwerken auf Englisch zum Fettnäpfchen werden. Weiterhin ist es auch wichtig, dass Sie beziehungsweise Ihre Mitarbeiter ein Mindestmaß an interkultureller Kompetenz aufweisen. Was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag auf unserem Blog. Im Fall von Netzwerk-Veranstaltungen ist interkulturelle Kompetenz besonders wichtig, da man hier direkten Kontakt zu Menschen unterschiedlicher Nationalitäten aufbaut. Wer sofort einen guten Draht herstellen und in guter Erinnerung bleiben möchte, tut gut daran, die Kultur des Gegenübers zumindest ansatzweise zu kennen und zu verstehen.

Letztlich besteht die große Kunst des Netzwerkens darin, die Balance zu finden zwischen:

  • sich selbst interessant machen
  • sich für andere interessieren

Mit anderen Worten: Ihre Mitarbeiter müssen sowohl in der Lage sein, interessierte Fragen zu stellen als auch souverän auf solche zu antworten.

Weiterbildungen für internationales Networking

Ähnlich wie beim Netzwerken in der Muttersprache ist es überaus hilfreich, diese Fähigkeiten in der Praxis zu trainieren. Jede Chance des Networkings sollte aktiv genutzt und als Übungsstunde verstanden werden. Wenn Sie trotzdem nicht auf fachliche Ratschläge vom Experten verzichten können, besteht auch die Möglichkeit, Ihren Mitarbeitern eine entsprechende Weiterbildung anzubieten. Hier werden unter anderem die folgenden Inhalte vermittelt:

  • Ausarbeiten persönlicher Stärken und Schwächen
  • Ausformulieren von einem Ziel, das beim Netzwerken verfolgt wird
  • Standard-Formulierungen für berufliche Konversation
  • spezielle, auf die jeweilige Branche ausgerichtete Formulierungen
  • Smalltalk (Techniken, Themen, Gos und No-Gos)
  • Frage-Techniken
  • „Präsentation“ der eigenen Person (Mimik, Gestik, Körpersprache, Rhetorik, ...)
  • „Einklinken“ in eine bestehende Konversation
  • Vorstellung von sich selbst und anderen Personen
  • „Benimm-Regeln“ in sozialen Netzwerken (v.a. LinkedIn und Facebook)

Grundsätzlich gilt es während eines Netzwerk-Coachings zu lernen, wie man ein Gespräch beginnt, es am Leben erhält und schließlich beendet. Weiterhin wird vermittelt, wie man professionell Kontaktdaten austauscht, um sich auch längerfristig vernetzen zu können. Wichtig zu wissen ist, dass das Feld der interkulturellen Kompetenz meist nur angeschnitten wird. Hierfür ist ein weiteres Training (zum Beispiel in Form eines In-House-Coachings) überaus sinnvoll.

Smalltalk – Eine Besonderheit beim Netzwerken

Interessanterweise fällt es vielen Menschen viel leichter, sich über hochkomplexe, fachliche Themen auszutauschen als über das Wetter zu reden. Es gibt eigentlich nur eine Sache, die noch tückischer ist als Smalltalk in der Muttersprache – und das ist Smalltalk in einer Fremdsprache. Hier ist es nicht nur wichtig, die passenden Vokabeln und Grammatikregeln parat zu haben, sondern auch die „goldenen Regeln des Smalltalks“ zu beherrschen. Diese sind:

  1. Reden Sie nur über unverfängliche Themen, also keinesfalls über Politik und Religion. Auch Sport kann mitunter zu heiklen Diskussionen führen, bei denen sich nicht jeder Gesprächsteilnehmer wohlfühlt.
  2. Bekunden Sie Interesse an Ihrem Gegenüber und reden Sie nicht nur über sich selbst. Hieraus ergibt sich ein ausgewogenes und dynamisches Gespräch, das nicht von Monologen bestimmt wird.
  3. Vermeiden Sie Ja-/Nein-Fragen. Diese sorgen unter Umständen dafür, dass das Gespräch häufig stockt.
  4. Besser: Stellen Sie offene Fragen, die den Gesprächspartner animieren, aus dem Nähkästchen zu plaudern.
  5. Haben Sie keine Angst davor, noch einmal nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Das ist besser als „Nicken und lächeln“.
  6. Missverständnisse sind beim Smalltalk nicht zu vermeiden – und auch kein Beinbruch. Nehmen Sie es mit Humor. Lachen verbindet.

Fazit: Auch Networking will gelernt sein

So natürlich es auch ist, sich mit anderen Menschen zu unterhalten – berufliches Netzwerken in einer Fremdsprache will gelernt sein. Es gibt einfach zu viele Punkte, auf die man achten muss und zu viele Fettnäpfchen, in die man treten kann. Wenn Sie wollen, dass Ihre Mitarbeiter auch beim internationalen Networking eine gute Figur machen, ist ein entsprechendes Coaching wärmstens zu empfehlen.

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