Erwachsenenbildung: Pures Pauken? Nein, danke!

Erwachsenenbildung Pures Pauken Nein danke

13.04.2017 von Nicole Tomberg Allgemein, Lerntipps & Lerntricks, False Friends

Je später im Leben wir lernen, desto schwerer fällt es uns. Sicherlich auch, weil wir so viele andere Prioritäten im Leben haben und uns als Erwachsene selten zeitlich und geistig so ganz hingeben können.

Aber Lernen soll heute auf jeden Fall nach modernen Maßstäben nicht mehr einfach nur stumpfes Pauken sein. Es gibt viele Faktoren, die erfolgreiches Lernen ausmachen. Unsere Gastautorin Nicole Tomberg, erfahrene Englischtrainerin und Inhaberin des Rhine Valley Institute gibt Einblick in einen effektiven und erfolgreichen Sprachunterricht. Bevor Sie in einen Sprachkurs einsteigen, können Sie die folgenden Punkte vorab klären. So steigern Sie die Chancen, dass Ihr Sprachkurs zum Erfolg führt:

  • Relevanz: Sind der Sprachkurs und die Inhalte genau auf Ihre privaten oder geschäftlichen Bedürfnisse abgestimmt? Warum sollen Sie Telefonieren auf Englisch üben, wenn Sie eigentlich eine Präsentation auf Englisch halten lernen möchten?

  • Didaktisch ausgefeilt: Der Sprachunterricht wird interessanter, wenn die Übungsformen schnell wechseln und aufeinander aufbauen. Alle Sinne (hören, sehen, fühlen) und Lerntypen (analytisch, kreativ etc.) sollten bedient werden.

  • Gutes Energielevel: Niemand kann sich lange total konzentrieren. Deswegen bauen gute Sprachlehrer immer wieder Spiele, Platzwechsel oder Bewegung in den Sprachunterricht ein.

  • Wiederholen: Die Lerninhalte sollten zyklisch wieder aufbereitet werden. Gehörtes wird mehrfach neu verarbeitet und in neue Situationen übertragen, zum Beispiel in ein Rollenspiel. Sie haben vielleicht schon gehört, dass man ca. 37 Wiederholungen benötigt, bevor eine Information fest im Langzeitgedächtnis verankert ist.

  • Spaß: Das mit der nachhaltigen Erinnerung funktioniert aber nicht nur durch Wiederholung (und über die oben genannten anderen Faktoren), sondern auch durch die Verbindung der Lerninhalte mit Gefühlen. Von allen Emotionen eignet sich Freude natürlich am besten zu diesem Zweck. Je mehr Spaß Sie im Sprachkurs haben, desto mehr bleibt hängen.

  • Praktische Anwendung: Im Sprachunterricht sollten sprachliche Situationen möglichst realistisch simuliert werden. Der Sprachlehrer sollte dazu die Teilnehmer in die Situation einstimmen und sensibel für die Menschen sein, die Rollenspiele und ähnliches einfach überhaupt nicht mögen – für solche Teilnehmer sollte es Alternativen geben.

  • Korrekturen: Auf relevante Fehler, die zu Missverständnissen führen können, sollte der Sprachlehrer hinweisen. Trotzdem darf und sollte es Zeiten im Unterricht geben, in den niemand beim freien Sprechen unterbrochen wird. Das Feedback und die Korrektur kann der Sprachlehrer auch nach der Diskussion besprechen. Ein Sprachlehrer, der sich Notizen macht, ist Gold wert.

  • Sprechanteil: Die meisten Teilnehmer wünschen sich im Sprachunterricht, freier sprechen zu lernen. Demensprechend sollte der Sprachlehrer sich selber zurückhalten, keine Monologe führen und genügend Ideen haben, wie er die Teilnehmer am Sprachkurs zum Sprechen bringen kann, zum Beispiel indem er ein kontroverses Thema anspricht.

  • Kompetenz des Englischtrainers: Muttersprachlichkeit ist noch keine Qualifikation. Der Sprachlehrer muss auch didaktische Kompetenzen mitbringen und für die oben beschriebenen Erfolgsfaktoren sorgen.

Fazit:
Vielleicht ist nicht jeder dieser Faktoren für Sie wichtig. Jeder Mensch ist anders, und das ist auch gut so. Aber hoffentlich stimmt am Ende eins: die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Sprachlehrer, und zwischen Ihnen und den anderen Kursteilnehmern. Viel Erfolg beim nächsten Sprachkurs!



Über die Autorin
Nach jahrelanger Tätigkeit im Export entschloss sich Nicole Tomberg nach einer Zusatzausbildung zur Suggestopädin im Jahr 2005, ihre Leidenschaft - die englische Sprache - zum Beruf zu machen. Dabei unterstützt sie nicht nur Unternehmen mit individuell gestaltetem Englischtraining. Ihr besonderes Interesse gilt dem Englisch der Weinsprache. Mit 16 Jahren Berufserfahrung in der Weinbranche und 10 Jahren im Export schult sie Winzer und Sommeliers in ganz Deutschland aus der Praxis für die Praxis, ist Dozentin an der Universität Geisenheim University und übersetzt im Bereich Tourismus und Weinwirtschaft. Alle Artikel von Nicole Tomberg lesen

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