Die richtige Umgebung für den Fremdsprachen-Unterricht

Kann man eigentlich Lernen lernen Photo by veeterzy on Unsplash

27.08.2018 von Jessika Fichtel Lerntipps & Lerntricks

Jeder Erwachsene, der beabsichtigt, seine Fremdsprachenkenntnisse aufzubessern oder zu erweitern, steht grundsätzlich vor dem gleichen Problem: Wie lernt man eigentlich richtig? Oder anders formuliert: Kann man Lernen lernen? In diesem Beitrag erfahren Sie nicht nur hilfreiche Tipps, sondern auch, auf welche Stolpersteine und Herausforderungen sich Sprach-Schüler einstellen müssen.

Das menschliche Gehirn – oder: Warum links und rechts zusammenarbeiten müssen

Wer eine Fremdsprache erlernt, will natürlich möglichst schnell erste Erfolge feiern können. Damit dies der Fall ist, lohnt es sich, sich einmal genauer mit dem wichtigsten Lern-Hilfsmittel überhaupt zu befassen: Dem menschlichen Gehirn.

Unser „Denkapparat“ ist in zwei Hälften geteilt; die linke und die rechte Gehirnhälfte. Während sich die linke Gehirnhälfte vor allem um die Verarbeitung von sprachlichem Input kümmert, ist die rechte für bildliche Reize verantwortlich.

Auf den Fremdsprachenunterricht übertragen bedeutet das, dass beispielsweise Vokabeln, die man liest oder hört, von der linken Hälfte verarbeitet werden, passende Bilder oder Situationen im „echten Leben“ hingegen von der rechten.

Um möglichst effektiv zu lernen und das Erlernte auch dauerhaft abspeichern zu können, ist es notwendig, dass beide Gehirnhälften Hand in Hand zusammenarbeiten. Das heißt: So viele Verknüpfungen von sprachlichen Informationen und visuellen Reizen wie möglich schaffen.

Die Bestimmung vom Lern-Typ

Vor einer Weile haben wir hier im Sprachenmagazin über die vier verschiedenen Lerntypen berichtet. Diese sind auch dann wichtig, wenn es darum geht, Lernen zu lernen. Denn erst dann, wenn der Sprachschüler weiß, welchem Lern-Typ er entspricht, kann ein effizientes und individuelles Unterrichtsprogramm für ihn erstellt werden.

Die vier Lerntypen im Überblick:

  • Der visuelle Lerntyp
  • Der auditive Lerntyp
  • Der kommunikative Lerntyp
  • Der haptische Lerntyp

Lernplan aufstellen für mehr Struktur und Ordnung

Egal ob eine Fremdsprache von Grund auf neu erlernt oder lediglich aufgefrischt werden soll – unser Gehirn mag es gern strukturiert und aufgeräumt. Um nicht gleich zu Beginn vom Lernstoff überwältigt (und regelrecht gelähmt) zu werden, ist es sinnvoll, einen Lernplan aufzustellen.

Dieser gibt nicht nur vor, was gelernt werden soll, sondern auch wann, wie und vielleicht sogar wo. Wichtig ist, dass der Lernplan realistisch ist, also für jede Lerneinheit genügend Zeit eingeplant wird. Außerdem sollte es immer Phasen geben, in denen zurückliegender Stoff wiederholt und verinnerlicht werden kann.

Die richtige Umgebung für den Fremdsprachen-Unterricht

Hier im Sprachenmagazin wurden bereits die unterschiedlichsten Lernmethoden vorgestellt – vom Inhouse-Training über Shadowing bis hin zum Sprachtandem. Bei der Wahl der richtigen Technik kommt es selbstverständlich auf viele verschiedene Faktoren an. Einer, der leider häufig außer Acht gelassen wird, ist das Lernumfeld.

Nicht jeder Sprachschüler fühlt sich wohl bei dem Gedanken, gemeinsam mit x anderen Personen in einem trostlosen Konferenzraum zu sitzen und Vokabeln zu büffeln. Für andere ist es wiederum der Horror schlechthin, einen Sprachtrainer am eigenen Arbeitsplatz zu empfangen.

So unterschiedlich wie die Bedürfnisse der Sprachschüler sind auch die Möglichkeiten, ein angenehmes Lernumfeld zu schaffen. Es ist wichtig, dass das Erlernen der Fremdsprache mit positiven Gefühlen verknüpft wird. Am ehesten gelingt das, indem man eine angenehme Atmosphäre schafft und einen Lernort einrichtet, an dem man sich rundum wohlfühlt. Warum nicht also einfach mal die nächste Unterrichtsstunde nach draußen verlagern?

Lieber Sprint statt Marathon

Eine allgemeine Annahme besagt: Viel hilft viel. Doch gilt das auch im Fall des Fremdsprachenunterrichts?

Kurz und knapp: Nein. Wer lernen will, effizient zu lernen, der sollte sich von endlosen Einheiten verabschieden und sich lieber angewöhnen, kurze Sprints einzulegen. Das steigert nicht nur die Motivation (schließlich ist das Ziel stets in Sicht), sondern erzielt auch die größten Effekte.

Bei der praktischen Umsetzung ist Ihnen beispielsweise die Pomodoro-Technik behilflich. Diese unterteilt produktive Phasen in 25-minütige Arbeitsabschnitte, auf die je fünf Minuten Pause folgen. Nach etwa vier Wiederholungen darf dann eine längere Pause von zehn Minuten eingelegt werden. Es gibt unzählige Timer im Internet und Apps, die dabei helfen, die Pomodoro-Technik anzuwenden. Die klassische Küchenuhr tut es allerdings auch.

Vorsicht vor falschen Belohnungen!

Viele Eltern stellen ihren Kindern eine Runde Fernsehen in Aussicht, wenn diese für bestimmte Zeit lernen. Und auch im Fall von Erwachsenen kann immer wieder beobachtet werden, wie sich diese nach der Lerneinheit mit diversen Tätigkeiten belohnen.

Grundsätzlich keine schlechte Idee, schließlich steigert das die Motivation. Doch ist Belohnung nicht gleich Belohnung. Im Fall vom Fernseh-Konsum findet beispielsweise eine solche Reizüberflutung statt, dass Kinder das gerade Erlernte schnell wieder vergessen.

Lernen lernen bedeutet auch, sich hinterher mit den richtigen Dingen zu belohnen. Entscheiden Sie sich gegen alles, was Ihr Gehirn überfordern könnte, also beispielsweise Videospiele, Sachbücher und Treffen mit vielen Menschen. Besser sind Tätigkeiten wie:

  • Kochen
  • (Aus-)Malen/Zeichnen
  • Handarbeit (Stricken, Nähen, Häkeln und Co.)
  • Gartenarbeit
  • Schlafen
  • Lesen („leichte Kost“)
  • Spaziergänge

Vom Trampelpfad zur Autobahn

Kommen wir abschließend noch einmal zurück zum menschlichen Gehirn und seine Funktionsweise (keine Sorge, Sie müssen nicht Biologie studiert haben, um das nachfolgende zu verstehen).

Um zu verinnerlichen, wie wir Menschen lernen beziehungsweise Informationen wie Vokabeln und Grammatikregeln langfristig abspeichern, hilft es, sich das Gehirn als einen Dschungel vorzustellen.  Eine Information, die einmal erfasst wurde, bildet einen kleinen Trampelpfad in diesem Dschungel, der jedoch rasch wieder zuwächst, wenn man ihn nicht regelmäßig benutzt.

Um den Pfad zu einer Autobahn auszubauen (und die Info damit langfristig zu speichern), muss der Weg immer wieder gegangen, verbreitert und gefestigt werden. Auf das Erlernen einer Fremdsprache übertragen bedeutet das schlichtweg, dass Vokabeln, Regeln, Aussprache usw. stetig wiederholt werden müssen.

Wird dieser Prozess irgendwann eingestellt und werden die Informationen nicht mehr regelmäßig abgerufen, kann es leider auch passieren, dass die Autobahn im Laufe der Zeit „zuwächst“ und irgendwann wieder zum Trampelpfad wird. Dann heißt es: Wieder von vorne beginnen und diesmals am Ball bleiben.

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