Achtung, falsche Freunde! False friends als große Stolpersteine in der Kommunikation

Achtung falsche Freunde False friends als grosse Stolpersteine in der Kommunikation2

30.03.2017 von Walter Brandl False Friends, Lerntipps & Lerntricks

Spricht man von falschen Freunden, dann denken die meisten wahrscheinlich an hinterlistige Menschen, die vorgeben, etwas zu sein, was sie in Wirklichkeit gar nicht sind. Schaut man sich das Thema hingegen aus sprachlicher Sicht an, dann sind „falsche Freunde“ - beziehungsweise false friends – etwas völlig anderes, nämlich Wortpaare aus zwei verschiedenen Sprachen, die zwar gleich klingen und/oder aussehen, aber etwas völlig anderes bedeuten. Gerade diejenigen, die noch am Anfang beim Erlernen einer Fremdsprache stehen, tappen gern und oft in die Falle der false friends. Sie zu kennen ist daher unverzichtbar.

Die Klassifizierung der falschen Freunde

Jemand, der sich wirklich intensiv mit dem Phänomen der false friends befasst hat, ist Annette Kroschewski. Die Sprachexpertin unterscheidet grob zwischen interlingualen und intralingualen falschen Freunden und nimmt noch weitere detaillierte Unterteilungen vor.

Hier ein paar Beispiele:

Orthografische falsche Freunde: Diese false friends sind mit Hinblick auf mögliche Verständnisprobleme noch verhältnismäßig harmlos. Es handelt sich hierbei lediglich um Wörter, deren Schreibweise aus der Herkunftssprache übernommen wurde. Ein Beispiel für orthografische falsche Freunde ist Likör/liqueur.

Phonologische falsche Freunde: Die Phonologie befasst sich mit der Aussprache von Wörtern. Kombiniert mit den false friends ergeben sich hieraus fremdsprachliche Begriffe, deren Aussprache (in unserem Fall) an das Deutsche angelehnt wird. Die Gefahr von Missverständnissen ist hier schon deutlich höher als bei den orthografischen falschen Freunden.

Semantisch falsche Freunde: Semantische false friends haben eine ähnliche Form, aber eine unterschiedliche Bedeutungsstruktur, die sich häufig auf der Stilebene findet. Ein gutes Beispiel hierfür ist das englische vote und das deutsche votieren. Während der englische Begriff dem alltäglichen Sprachgebrauch zugeordnet werden kann, handelt es sich beim Deutschen durchaus um einen gehobenen Ausdruck. Die „richtige“ Übersetzung von vote, die der gleichen Stilebene entspricht, ist das schlichte wählen. Anders herum verhält es sich übrigens beim Job. Während dieser im englischen Sprachgebrauch einen recht hohen Stellenwert genießt, wird er im Deutschen immer noch gern etwas degradierend (im Gegensatz zu Beruf) verwendet. Hier ist jedoch eine Veränderung der Konnotation zu bemerken.

absolute falsche Freunde: Dieser Gruppe gehören die berühmtesten false friends an. Gemeint sind formähnliche Wortpaare, die auf den ersten Blick den Anschein erwecken, die korrekte Übersetzung zu sein, aber absolut unterschiedliche Bedeutungen haben. Klassische englischsprachige Beispiele für die semantischen false friends sind:

  • Gift /gift (englisch für Geschenk)
  • Note / note (englisch für Notiz, Aufzeichnung oder auch Musiknote)
  • mondän /mundane (englisch für schlicht, einfach oder ordinär)
  • brav / brave (englisch für mutig)
  • Sinn / sin (englisch für Sünde)
  • Unternehmer / undertaker (englisch für Bestatter)
  • Kind / kind (englisch für nett, freundlich oder liebenswert)

(Diese Liste könnte noch um viele weitere Beispiele ergänzt werden.)

falsche Freunde als Pseudo-Anglizismen: Eine besondere Form der absoluten false friends sind die sogenannten Pseudo-Anglizismen, also Wörter von denen wir glauben, dass sie aus dem Englischen stammen und bereits richtig übersetzt sind. Hier gilt oberster Fettnäpfchen-Alarm. Wer beispielsweise seinen Gesprächspartner während des Smalltalks nach dessen „Handy model“ fragt, wird höchstens Verwirrung stiften, aber garantiert keinen Technik-Plausch anregen. Besser wäre eine Formulierung wie diese: „Which type of cellphone do you use?“ Weitere Beispiele für diese Gruppe der false friends sind der Smoking (richtige Übersetzung: dinner-jacket) und die Bowle (korrekt: punch).

Hinweis
Diese Auflistung entspricht nicht der vollständigen Klassifizierung nach Annette Kroschewski. Eine ausführliche Darstellung aller false friends-Typen mit Erklärung und Beispielen finden Sie beispielsweise hier.

Gibt es false friends nur im Englischen?

Allein schon die Begrifflichkeit false friends erweckt schnell den Eindruck, dass diese sprachlichen Fallstricke nur im Englischen lauern. Kurz und knapp: Hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Auch andere Fremdsprachen wie das Französische oder Spanische weisen eine Reihe von Wortpaaren auf, die vielleicht ähnlich klingen und/oder geschrieben werden, aber etwas völlig anderes meinen. Auch das Niederländische, das dem Deutschen sehr ähnlich scheint (und dennoch mehr Gemeinsamkeiten mit dem Englischen hat), ist ein wahres Paradies für false friends. Hier sorgen die falschen Freunde für besonders komische Missverständnisse, beispielsweise wenn mist (also Nebel) die Sicht trübt.

false friends im Französischen

  • la tablette = das Brett oder Fach
  • la veste = die Jacke oder das Sakko
  • la serviette = das Handtuch oder die Aktentasche
  • le acte = die Urkunde oder die Tat


false friends im Niederländischen

  • schattig = niedlich
  • drogen = trocknen
  • bellen = klingeln oder telefonieren
  • doof = taub
  • meer = See


false friends im Spanischen

  • bravo = mutig oder wütend
  • curioso = neugierig oder merkwürdig
  • el mundo = die Welt
  • el mantel = die Tischdecke
  • el regalo = das Geschenk

Wie entstehen false friends?

Falsche Freunde treten besonders häufig in Sprachen auf, die (entfernt) miteinander verwandt sind. Ein sehr gutes Beispiel hier für sind Deutsch und Niederländisch. Weiterhin entwickeln sich false friends auch gehäuft, wenn zwei Sprachen gesellschaftlich, politisch und auch kulturell eng miteinander verknüpft sind. Hier kann das Französische als Paradebeispiel herhalten, da es schon immer gern von den Deutschen als besonders vornehme und gehobene Sprache adaptiert wurde.

Info
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Sie beispielsweise im Japanischen oder Chinesischen beispielsweise kaum mit false friends rechnen müssen. Diese Fremdsprachen sind (im wahrsten Sinne des Wortes) zu weit vom Deutschen entfernt.

Bedeutungsverschiebungenoder -wandel sind ein Phänomen, das in nahezu allen Sprachen beobachtet werden kann. Oftmals sind es gesellschaftliche Auslöser, die dafür sorgen, dass ein Wort (das eventuell aus einer Fremdsprache entlehnt wurde) im Laufe der Zeit eine völlig andere Bedeutung erhält. Besonders häufig kann beobachtet werden, dass sich ein Wort in der einen Sprache zu einem normalen oder gar gehobenen Begriff entwickelt und in der anderen eher abwertend verwendet wird. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Visage, was im Französischen nicht mehr und nicht weniger als Gesicht heißt.

Eine dritte Möglichkeit für die Entstehung von false friends ist der gute alte Zufall. In vielen Fällen gibt es keine linguistische Begründung für die Ähnlichkeit von einem Wortpaar. Dann hat der pure Zufall dazu geführt, dass diese zu falschen Freunden geworden sind.

Vom falschen Freund zum echten

Ein letzter spannender Aspekt, den wir Ihnen zum Thema false friends mit auf den Weg geben wollen, ist die Macht dieser fremdsprachlichen Fallstricke. Als Beispiel hierfür soll das englische to realize herhalten, das ins Deutsche übersetzt erkennen oder bemerken bedeutet. Das Wort hat jedoch einen so großen Einfluss auf unsere Sprache, dass auch das deutsche realisieren mittlerweile wie to realize „übersetzt“ beziehungsweise genutzt wird. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist jedoch etwas in die Tat umsetzen oder verwirklichen.

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