10 Gründe, die für und gegen das Selbststudium einer Fremdsprache sprechen

10 Gruende die fuer und gegen das Selbststudium einer Fremdsprache sprechen Photo by Dan Gold on Unsplash

25.09.2018 von Walter Brandl Lerntipps & Lerntricks, Allgemein

Wie sinnvoll ist es, eine Fremdsprache im Alleingang zu erlernen? Wenn es um das Thema Selbststudium geht, scheiden sich oftmals die Geister. Die einen sind fest davon überzeugt, dass es funktionieren kann, die anderen führen diverse Fallstricke auf und erklären das Projekt als gescheitert, noch ehe es begonnen hat. Feststeht: Das Selbststudium einer Fremdsprache bringt sowohl Vorteile als auch Schwierigkeiten mit sich. Welche Gründe konkret dafür und dagegen sprechen, soll in diesem Beitrag genauer beleuchtet werden.

5 Gründe, die für das Selbststudium einer Fremdsprache sprechen

Wer sich bewusst gegen Sprachkurse, Tandems, Inhouse-Trainings und Co. entscheidet und eine Fremdsprache in Eigenregie erlernen will, darf sich auf eine Reihe von Vorzügen freuen. Vor allem die Flexibilität und Selbstbestimmung sorgen dafür, dass sich etliche Sprachschüler für diesen Weg entscheiden. Konkret dürfen sich die, die ein Selbststudium der Fremdsprache wählen, auf diese Vorzüge freuen.

#1 Lernen im eigenen Tempo

Während Sprachkurse und andere Angebote oftmals streng vorgeben, in welchem Tempo eine Fremdsprache erlernt wird, dürfen sich die „Einzelkämpfer“ auf ein Maximum an Flexibilität freuen. Sie allein entscheiden, wann, wo und in welchem Tempo sie die einzelnen Lektionen lernen.

Gerade dann, wenn der Schüler ein bisschen länger braucht, um eine Grammatikregel oder eine Vokabelgruppe zu verinnerlichen, kann sich das Selbststudium als bessere Lösung herausstellen. Denn anstatt gleich zur nächsten Einheit zu kommen, hat er die Möglichkeit, so lange zu üben, bis das neue Wissen sitzt.

#2 Themen selbst festlegen

Nicht alles, was in Sprachkursen gelehrt wird, ist auch später in der Praxis relevant. Unnötige Grammatikdetails und spezifische Vokabeln, die im jeweiligen Berufsfeld eher unwichtig sind, fressen nicht nur unnötig viel Zeit, sondern können auch demotivierend wirken.

Ein Selbststudium wiederum bietet die Möglichkeit, die Themen individuell festzulegen. Auf diese Weise wird automatisch die Effizienz des Fremdsprachenunterrichts gesteigert.

#3 Weniger Angst, Fehler zu machen

Sprachschüler, die den „offiziellen“ Weg wählen, berichten hin und wieder davon, dass sie sich in der Gruppe kaum trauen, das Wort zu ergreifen – aus Angst, Fehler zu machen und dafür belächelt zu werden.

Wer hingegen für sich lernt, kann meist frei von der Leber weg Aussprache, grammatikalische Strukturen und Vokabeln üben. Auch das kann als große Vorteil vom Selbststudium einer Fremdsprache gewertet werden.

#4 Immer mehr Möglichkeiten

Es spricht nichts dagegen, auch im Selbststudium auf professionelle Lernmaterialien wie Hörbeispiele und Arbeitshefte zurückzugreifen. Darüber hinaus hat der Sprachschüler noch viele weitere Möglichkeiten, eine Fremdsprache zu verinnerlichen – beispielsweise mithilfe von Podcasts, Büchern, Filmen und Serien. Auch regelmäßige Gespräche mit Muttersprachlern können maßgeblich dazu beitragen, dass die Fremdsprachenkenntnisse immer besser und sicherer werden. Die Optionen sind wirklich vielfältig.

#5 Kostengünstiger Sprachunterricht

Last but not least sei an dieser Stelle auf den Kostenfaktor verwiesen. Selbstverständlich ist der Fremdsprachenunterricht im Selbststudium deutlich billiger als in einer Sprachschule oder bei einem eigenständigen Trainer.

5 Gründe, die gegen das Selbststudium einer Fremdsprache sprechen

Nachdem Sie jetzt wissen, welche Punkte für das Selbststudium einer Fremdsprache sprechen, soll es nun auch noch um die Nachteile gehen. Wie Sie sich vielleicht schon denken können, liegt die größte Herausforderung darin, sich immer wieder von neuem zu motivieren. Doch das ist leider nicht der einzige Nachteil.

#1 Fehlende Kontrolle und Korrektur

Fremdsprachen-Experten sind sich einig: Sprachkurse und andere Angebote sind vor allem dann extrem sinnvoll, wenn der Schüler erst beginnt, zu lernen. Denn gerade im Anfangsstadium ist nahezu jeder anfällig für Fehler, die sich, wenn sie nicht korrigiert werden, im Gehirn einbrennen und später nur schwer beseitigt werden können.

Zwei klassische Beispiele für diese Gefahr sind die falsche Aussprache von Silben oder ganzen Wörtern und das Einprägen einer fehlerhaften Grammatikstruktur. Solche Aspekte werden im Rahmen eines Sprachkurses schnell erkannt und können sofort korrigiert werden. Im Selbststudium ist das hingegen nur schwer möglich.

#2 Schwierigkeit, sich immer wieder zu motivieren

Eine Fremdsprache im Selbststudium lernen bedeutet immer auch: Sich regelmäßig dazu motivieren, Zeit in dieses Vorhaben zu investieren. Wenn Sie keine festen Zeiten haben, zu denen der Fremdsprachenunterricht auf dem Programm steht (beispielsweise im Rahmen eines Telefontrainings), dann werden Sie unter Umständen ganz schön mit Ihrem inneren Schweinehund kämpfen müssen, um sich zu überwinden.

Gerade Menschen, die sonst eher unstrukturiert sind und sich nur schwer selbst motivieren können, sollten sich über diese Herausforderung des Selbststudiums im Klaren sein.


#3 Fehlende Gruppendynamik

Es gibt Sprachschüler, die die Dynamik von Kursen schlichtweg brauchen, um sich kontinuierlich zu verbessern. Tatsächlich kann eine kleine Prise Wettbewerb durchaus dazu beitragen, schneller deutliche Lernerfolge zu verzeichnen. Im Selbststudium, das die meisten Menschen allein durchführen, kann eine solche Dynamik leider nicht aufkommen.

#4 Mangelhafte Strukturierung

Dass das Selbststudium einer Fremdsprache so günstig (und manchmal sogar kostenlos) ist, liegt natürlich in erster Linie daran, dass kein Profi zur Verfügung steht, der den Lernstoff strukturiert vermittelt. Gerade die Schüler, denen es besonders schwer fällt, den Unterricht in Eigenregie inhaltlich und zeitlich zu planen, sollten daher lieber in einen Kurs oder ein ähnlich professionelles Angebot investieren – zumindest um hierbei die Grundlagen zu erlernen.

#5 Keine Möglichkeit der Zertifizierung

Gerade Personen, die aus einer beruflichen Motivation heraus mit dem Fremdsprachenunterricht beginnen, sollten ihre Kenntnisse im Idealfall nachweisen können. Sprachzertifikate, Zeugnisse und Urkunden, die im Zuge von Kursen und Trainings erlangt werden, sind hierbei behilflich.

Ein Selbststudium wiederum wird von den wenigsten Unternehmen als ernstzunehmende Qualifikation anerkannt. In gewissen Situationen kann sich dieser Umstand als nachteilig erweisen.

Fazit: Ein Selbststudium kann funktionieren, muss aber nicht

Wie Sie sehen, gibt es viele überzeugende Gründe, die sowohl für als auch gegen ein Selbststudium im Fremdsprachen-Bereich sprechen. Ob dieser Weg der richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise der allgemeinen Arbeits- und Organisationsweise des Sprachschülers, dem Lerntyp und dem Sprach-Level, das er bereits beherrscht.

Wer beispielsweise Probleme hat, seine Arbeitsweise eigenständig zu strukturieren, noch ganz am Anfang steht und/oder beim Lernen gern „an die Hand genommen wird“, der sollte sich eher gegen den Alleingang und für einen Sprachkurs entscheiden. Anders herum können fortgeschrittene Schüler und solche, die kein Problem haben, sich selbst zu strukturieren und zu motivieren, durchaus auch Erfolge durch das Selbststudium feiern.

Es kommt also immer auf den Einzelfall an. Eine allgemeine Bewertung, ob ein Selbststudium nun sinnvoll oder sinnlos ist, ist nicht möglich.

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